Menu
Menü
X

Brücken bauen von Mensch zu Mensch

Mit der Begegnungsstätte ist nun vollständige Barrierefreiheit der Kirche erreicht

Mit dem neuen Anbau an der evangelischen Kirche in Nieder-Ramstadt ist eine wichtige Voraussetzung für die fusionierte inklusive Gemeinde geschaffen: Barrierefreiheit. Barrierefrei ist jetzt der Zugang vom Kirchenschiff zu behindertengerechten Toiletten möglich. Zuvor war bereits der Vordereingang zur Kirche vergrößert und ein barrierefreier Zugang von der Straße Zehntscheuer zur Kirche hin ermöglicht worden.

Mit einem Festgottesdienst und anschließendem Gemeindefest ist der Anbau jetzt eingeweiht worden. Mit diesem ist zudem ein neuer Raum entstanden, der den Turmraum maßgeblich erweitert: die Begegnungsstätte. Damit ist für mehr Menschen, die nach der Fusion mit der Lazarusgemeinde jetzt zur Evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Ramstadt gehören, auch mehr Raum für Begegnung geschaffen worden. Eine Glasfuge im Dach zwischen Kirche und Anbau lässt viel Licht hinein. So ist nun viel Platz und viel Licht für Begegnungen wie etwa bei Kirchenkaffee oder Sektempfang. „Was vorher eine Rumpelkammer war, ist jetzt ein wunderschöner Raum“, sagte Christoph Mohr.

Rechtzeitig zum Fest ist der Anbau verglast worden, der Innenputz wurde ebenfalls noch kurz vorher fertig. Einzig der Sandsteinfußboden war zum Termin noch nicht verlegt. „So werden Sie Teil des weiteren Bauprozesses“, sagte Architekt Daniel Macholz bei der Einweihung nach dem Festgottesdienst. Diesen gestalteten die Kita-Kinder mit einem Regenbogentanz und Bewegungsliedern mit. So spielten die Bilder Regenbogen und Brücke auch eine Rolle in der Predigt von Pfarrer Christoph Mohr. „Brückenbauen von Mensch zu Mensch“, sei das Ziel der Barrierefreiheit in der Kirche. Der Regenbogen versinnbildliche die Brücke zwischen Mensch und Gott. „Die größte Brücke aber, die Gott zu uns gebaut hat, ist Jesus Christus“, so Christoph Mohr.

Ein buntes Programm wurde den mehr als 200 Besucherinnen und Besuchern beim Gemeindefest geboten: Neben Essen und Trinken auf der abgesperrten Straße gegenüber der Kita unterhielten Helmut Fladda und Mitglieder des Bläserkreises die Gemeinde mit Alphornblasen. Felix Jung und Dominik Beese luden beim Wunschkonzert in der Kirche zum Singen ein. Kinder freuten sich über Hüpfburg und Schatzsuche im Sand. Der Förderverein der Kita, Haupt- und Ehrenamtliche der Gemeinde halfen bei der Organisation des Festes mit.

Christoph Mohr dankte beim Einweihungsteil zu allererst den vielen Spenderinnen und Spendern. Fast 30000 Euro sind seit dem vorigen Jahr für den Anbau mit Schaffung von Barrierefreiheit zusammengekommen. Die Gesamtmaßnahme in Höhe von 265000 Euro wurde zudem mitfinanziert durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau. Aktion Mensch hat sich mit 75000 Euro beteiligt, die Diakonie Hessen mit 20000 Euro.

Daniel Macholz warf einen Blick zurück auf den dreijährigen Entstehungsprozess der Begegnungsstätte mit barrierefreien Toiletten. Dabei zeigte er anhand von Skizzen, wie sich die Ideen immer weiter entwickelten. Daran, dass der Weg dahin nicht immer ganz einfach war, erinnerte er und lobte gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem Bauausschuss.

Rainer Steuernagel nannte es eine „gute Entscheidung“, für Barrierefreiheit in der Kirche zu sorgen. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung wies darauf hin, dass Mühltal wachsen werde durch die neuen Wohngebiete am Dornberg und am Bahnhof. Durch die Ansiedlung neuer Firmen im Gewerbegebiet Ruckelshausen würden zudem Mitarbeitende Wohnung und Heimat in Mühltal finden wollen. Daher werde auch die Kirchengemeinde wachsen. Dann sei es richtig, „gut aufgestellt“ zu sein.

Bürgermeister Willi Muth lobte die Kreativität der Gemeinde, Geld für ihr Projekt zu sammeln. Die Begegnungsstätte mit barrierefreien Toiletten sei eine gute Voraussetzung für alle, „Teil der Gemeinde zu bleiben oder zu werden“. Dekan Arno Allmann lobte den Anbau, der „mehr als ein Anbau“ sei, nämlich ein Beispiel, „Inklusion mit einem historischen Gebäude zu leben“. Damit sei es gelungen, dass die Kirche nun „für alle Menschen so gestaltet ist, dass es gut für sie ist“.

Dirk Tritzschak, Regionalleiter der NRD, bekannte, dass ihm im Gottesdienst zur Einweihung „das Herz aufgegangen“ sei. Er beschäftige sich seit Jahren im Rahmen der Regionalisierung der NRD mit der Umsetzung von Inklusion. „Sie haben hier die Rahmenbedingungen für Inklusion geschaffen“, so Tritzschak. Dennoch bedürfe es noch mehr als die baulichen Gegebenheiten. Um das „Brückenbauen“, worum es in der Predigt ging, zu leben, brauche man „die Gesellschaft, die Gemeinschaft, alle“. An der Teilhabe für alle müsse noch viel gearbeitet werden. Peter Bender überreichte einen symbolischen Spendenscheck als Baukostenzuschuss von der Stiftung Segensreich. Der frühere Diakon der NRD, Dirk-Hermann Dirks, schenkte der Gemeinde eine Kirchenjahres-Uhr.

Abschließend dankte Christoph Mohr den Mitgliedern des Bauausschusses - Volker Hergert, Christian Weinbörner, Michael Simon und Markus Keller - die mit ihrer Kompetenz und ihrem Sachverstand die lange und intensive Planungsphase mitgestaltet haben. Er nannte die Kirche ein „Haus Gottes, ein Haus des Gebets, der Predigt und des Brückenbauens - von Mensch zu Mensch, von der Gegenwart in die Zukunft, von der Traurigkeit zur Freude, von der Zeit in die Ewigkeit und von der Dunkelheit ins Licht“.

Rebecca Keller

  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
  • KK
top