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Kreuz & Quer macht Theater

Spiel mit der Wirklichkeit

Tiefsinniges und doch heiteres Stück „Luther trifft Luther“ begeistert

Nein, ein korrektes Historienwerk soll nicht dargeboten werden. Das nimmt der Bänkelsänger (Jan Miller) bei den Aufführungen in der Lazaruskirche in Nieder-Ramstadt (11.11.) und im Prälat-Diehl-Haus in Ober-Ramstadt (12.11.) gleich vorweg. Sondern ein ,,Spiel mit der Wirklichkeit". Und so bietet das Kreuz & Quer-Theaterteam mit seinem Stück „Luther trlfft Luther" ein tiefsinniges und zugleich heiteres Spiel mit Zeiten und Haltungen Luthers.

Es ist Luthers Geburtstag. Katharina, resolut gespielt von Kerstin Beese, will ihren Martinus (Christoph Tegel) zum Bade bewegen, schließlich kommen die Gäste schon bald. Doch der Geistliche möchte noch ein Stück in der Bibel lesen. So Lässt sie ihn gewähren, schickt hin und wieder die eher einfache Magd (Heike Lahr-Tegel) und die aufgeweckte Tochter (Marie Rühl) vorbei, um ihn an die Feier zu erinnern. Indes erscheint ein zweiter Luther (Niels Starke), quasi als Alter Ego, in einem Bild, das ihm sein Freund Lucas Cranach zum Geburtstag geschenkt hat und noch mit einem schwarzen Tuch verhüllt ist. Als Luther aus dem Jahre 1883 stellt er sich vor und verwirrt den Luther von etwa 1530 gehörig. Er empfiehlt ihm, die deutsch-nationale Sache voranzutreiben und den Weibsleuten mit strengerer Hand zu begegnen. Der eigentliche Luther verteidigt sich und verweist auf seine Grundlehre der vier Soli: allein durch den Glauben, durch das Wort, durch die Gnade und durch Christus werde man selig. "Geh weg in deine Zukunft", fährt er den anderen Luther im Bild an, "du bist ein Bild von mir deiner Zeit."

Die Szene wiederholt sich: Käthe will Luther zum Aufstehen bewegen, doch Luther will noch nicht, wähnt schon den nächsten Luther hinterm schwarzen Tuch. Tatsächlich lässt der auch nicht lange auf sich warten. Diesmal kommt er aus der Zeit des Nationalsozialismus (Sascha Rühl), als Luther als deutsch-germanischer Held verehrt und missbraucht wurde. Er solle seinen Kampf gegen die Juden zu Ende führen, fordert der Luther von 1933.

Als nächstes erscheint Luther aus dem Jahr 2017 (Peter Albert) - mit zerstückelter Maske - der ihm mitteilt, dass alles über ihn erforscht sei, auch sein maßloses Essverhalten. Er holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück: Die gesellschaftliche Ordnung sei von Menschen, nicht von Gott gemacht. Alle Religionen seien gleich viel wert. Es gibt keine Geister und Dämonen. Die Bibel ist nicht wörtlich zu nehmen.

Nach der Pause tritt noch Luther aus der Zukunft (Karin Schmelz-Steinmetz), bewusst als Frau dargestellt, in Luthers Studierstube und teilt ihm mit, dass man 1000 Jahre nach seinem Thesenanschlag nicht mehr viel wisse von ihm, außer, dass er launisch sei. Er sei nicht mehr greifbar, es gebe kein klares Bild mehr von ihm. Doch "einer kann und wird es richten".

In der Schlussszene ist das Lutherbild dann doch nur noch ein Bild und Luther ist erleichtert, sich die ungebetenen und unangenehmen Besucher als Traumfiguren erklären zu können. Da erscheinen alle vier als Geburtstagbesuch. Die Zeitebenen vermengen sich erneut und geben Luther so die historische Bedeutung, die er hat.

Auch wenn mit dem 31. Oktober die große Würdigung im 500. Jubiläumsjahr um den Reformator und die Reformation zu Ende ging, kam doch das Luther-Stück des Kreuz&Quer-Theaterteams nicht zu spät, beinhaltet es doch alle Facetten von Luthers Charakter. „Jede Zeit hat ihren Luther", sagt Autorin und Regisseurin Regina Simon. Ihren Mimen hat sie die Rollen auf den Leib geschrieben. Christoph Tegel bestreitet als Luther die Hälfte des Textes des gesamten Stückes - mit Bravour. Textsicherheit auch für alle anderen gaben als Souffleusen Susanne Haury und Katja Erlhof, die auch als Regieassistentinnen fungierten. Das zentrale Lutherbild auf der Bühne hat Michael Simon gemalt. Für das rechte Licht und den guten Ton sorgten Florian Rettig und Daniel Hermann.

Rebecca Keller

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